GESCHICHTE

Die Historie des Fußballs begann in Deutschland um die Jahrhundertwende, dem Zeitpunkt der Gründung unseres Vereins. Am 28. Januar 1900 wurde in Leipzig der Deutsche Fußballbund gegründet, dem damals 86 Vereine angehörten. Nur 4 Jahre später entschloss man sich zur Gründung eines Fußballvereins in Wilster. Die Aufnahme der neuen Sportsparte „Fußball“ in den MTV Wilster zerschlug sich. In der damaligen Gesellschaft gab es noch gewissen Bedenken gegen den Fußballsport bezüglich der knappen Kleidung der Herren. Zudem wurde der Fußball als rohes Spiel angesehen. So wurde am 14. Februar 1904 bei Stücker (dem Adler-Kino) der Fußballclub „Alemannia“ gegründet. In der Anfangszeit hieß der Verein FK Alemannia. Die Gründer der Alemannia mögen bei der Wahl des Vereinsnamens an den alten kampferprobten Germanenstamm der „Alemannen“ gedacht haben.

 

Der Verein registrierte anfänglich 16 Mitglieder und das Vereinslokal war der „Deutsche Hof“. Es gab erhebliche Bedenken gegen einen Fußballverein und als die Spieler der Alemannia das erste Mal ein Spiel in ihren kurzen Hosen austrugen, gab es doch einige Entrüstung. Besorgte Mütter und Väter hielten ihre Töchter vom Fußballplatz zunächst fern. Aus Berlin kam die erste Vereinstracht: Trikot (damals noch Jersey genannt) rot-weiß, Hose und Stutzen blau. Der Mannschaftskapitän trug außerdem noch eine blaue Schärpe, die gesamte Mannschaft ein blaues Käppi. Die ersten Bälle und Fußballstiefel fertigte Wilhelm Reimers an (Vater von Willy Reimers, einem hochverdienten Spieler und Vorstandsmitglied in späteren Jahren). Das Leder stifteten die Lederfabriken Falk & Schütt und Ballin, die in Wilster beheimatet waren.

 

Auf dem mit Lindenbäumen umwachsenen „Colosseumplatz“ wurde in den ersten Wochen trainiert und versucht, das tückische Leder unter Kontrolle zu bringen. Zusätzliche Schwierigkeiten ergaben sich daraus, dass links und rechts vom „Colo“ Wassergräben waren und über den Platz Elektroleitungen verliefen. Für Wettspiele stand dieser Platz erst nach einem Jahr zur Verfügung. Auf einer mit Pferden bespannten Break, auf der auch die Tore und Absteckfahnen mitgenommen wurden, fuhr man nach Burg und spielte hier auf einem einigermaßen geraden Acker gegen gemischte Mannschaften aus dem Raum Meldorf und Marne. Ein abgewanderter Spieler (Helmut Holm) gründete in Husum den Verein „Unitas“. In einem Werbespiel in Heide wurde dieser Verein hoch besiegt. Heider Spieler schlossen sich danach dem MTV Heide an. Nach einem weiteren Werbespiel in Itzehoe gegen Sperber-Hamburg, das mit 0:1 verloren wurde, gründete man dort den Fußballverein „Cimbria“. Auch in anderen Städten des Landes entstanden weitere Fußballvereine, so dass der Weg für eine Schleswig-Holsteinische Meisterrunde geebnet war. 1906 wurde der Bezirk 1 Schleswig funktionsfähig, und daran hatte der SV Alemannia Wilster, durch die Durchführung der Werbespiele in den verschiedenen Städten, großen Anteil.

 

An den steigenden Leistungen hatten die Brüder Erni und Carl Böge großen Anteil. Sie kamen von dem Hamburger Pionierverein Altona 93 nach Wilster. Von 1906-1910 war „Alemannia“ wohl der stärkste Verein im Bezirk. In drei aufeinanderfolgenden Jahren wurde die Meisterschaft errungen. Die Itzehoer Nachbarvereine Cimbria und Preußen 09 (aus dem später der Itzehoer SV hervorging) waren damals nur zweitrangige Gegner. Zum Bezirk 1 gehörten die Vereine aus Husum, Schleswig, Flensburg, Neumünster, Rendsburg, Heide, Itzehoe und Wilster.

 

Hier die Meistermannschaft des Jahres 1908 in ihrer taktischen Aufstellung. Damals war die Ausrichtung doch etwas offensiver als heute:

 

Carl Eckardt (goal keaper)

 

W. Bose (right back)

 

Erni Bögel (left back)

 

Carl Hencke (right half)

 

Heinrich Voss (center half)

 

Klaus Singhofen (left half)

 

J. Ahsbaahs (r. forward)

 

O. Alves (r. c. forw.)

 

E. Obstfelder (center forw.)

 

J. Kappelau (l. c. forw.)

 

Willi Eckardt (l. forw. u. Capt.)

 

Weitere Spieler, die vor dieser Zeit noch zu der Mannschaft gehörten waren:

 

C. Reichheim, N. Musfeldt, H. Lüddecke, P. Buck, M. Kühl, W. Werner und A. Hartmann.

 

Durch die große Beharrlichkeit, mit der die Gründer des Vereins ihr Ziel verfolgten und durch das Zusammenstehen wie eine Phalanx, wurde erreicht, dass der Verein bereits 1910 eine ansehnliche Anhängerschaft hinter sich hatte. Die bei der Gründung aufgetretenen spießbürgerlichen Bedenken vieler Mitbürger waren längst zerstreut.

 

Die großen Leistungen während der Meisterschaftsrunde bewirkten auch, dass Kontakte zu Vereinen aus anderen Bezirken entstanden. Beachtliche Erfolge wurden so gegen Holsatia Elmshorn, Nienstedten, Bergedorf, Sperber-Hamburg, Altona 93 und Kilia Kiel errungen. In diesen Jahren wurden die Vereinsfarben auf schwarz-weiß geändert und die erste Vereinsnadel von Carl Hencke entworfen.

 

Die durchgeführten Sedan-Gedächtnisspiele rückten Alemannia noch einmal ganz besonders in den Mittelpunkt des schleswig-holsteinischen Fußballs. Die weitere Entwicklung wurde 1914 durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh unterbrochen. Karl Tross leitete, während die Vorsitzenden Krumbeck und Ahsbahs im Krieg waren, nach einer erlittenen Verwundung ab 1915 die Geschicke des Vereins. Während des Krieges vertrat noch eine gute Mannschaft die schwarz-weißen Farben. In Heide wurde die Kriegsmeisterschaft errungen. Im Festungsgebiet Brunsbüttel wurde gegen eine Mannschaft eines bosnischen Kriegsschiffes gespielt. Die damaligen Spieler: Karl Müller, Klaus Benzin, Edmund Hahn, Gustav Müller, Max Dethlefs, Jacob Falk, Max Heesch, Willi Müller, Hans Pruter, Karl Heitmann und Sophus Jensen. Die Spieler Müller, Hahn, Heesch und Heitmann spielten gleich nach dem Krieg bei Bergedorf 85 in der Hamburger Liga.

 

Nach Kriegsende waren es die Männer der ersten Stunde, die die Geschicke des Vereins wieder in die Hand nahmen. Hier seien besonders erwähnt: Chr. Schlotfeldt, Karl Tross, Otto Wolter, Heinrich Ahsbahs, Carl Hencke, Hermann Weich, Willy Ramm, Conrad Ramm und Walter Bauch.

 

Das Interesse der Jugend war damals sehr groß, ihren Vorbildern nachzueifern und selbst in einer Jugendmannschaft zu kicken. Erst 1919 konnte Alfred Jepsen aber erstmalig eine festgeformte Jugendabteilung aufstellen. Er war es auch, der den Grundstock für die späteren erfolgreichen Jahre durch seinen unermüdlichen Einsatz und durch seine kluge, technische und taktische Beratung der Jugendmannschaften schuf.

 

Überspringen wir einmal schnell die nächsten 100 Jahre, befinden wir uns im aktuellen Jahr 2019. Viel verändert hat sich vom Prinzip her nicht. Wir spielen immer noch Fußball in Wilster und das Runde muss weiterhin in das Eckige. Unser Verein zählt mittlerweile 400 Mitglieder und steht auf eigenen Beinen. Neben drei Herrenmannschaften, einer Alt-Liga und der Spielgemeinschaft im Damenbereich haben wir den Grundstein der Jugendabteilung von vor 100 Jahren erfolgreich mit in die Zukunft genommen und können von den ganz Kleinen in der G-Jugend bis hin zur A-Jugend für sämtliche Junioren und Juniorinnen Fußball bei uns anbieten.